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Dienstag, 13. Januar 2015

Test: Zeitwaagen App Tickoprint

Ein Bekannter von mir betreibt seit Jahren den Blog Outdoorseite.de.
Er bekommt unter anderem von bekannten Herstellern Produkte (Schlafsäcke, Rucksäcke, Trekkingschuhe.....) als Testimonial zur Verfügung gestellt, und berichtet davon auf seinem Blog (nicht nur positiv !)

Ich persönlich bin nicht mit meinem Rolex Blog angetreten um von Rolex eine Testuhr zu erhalten, sondern über meine Erfahrungen als Uhrmacher zu berichten.
Auf der anderen Seite muss ich zugeben, dass ich schon ein wenig argwöhnisch auf seine Testprodukte geschaut habe.

Das hat jetzt eine Ende !
Ich wurde von der Firma Andios Softwareentwicklung  angesprochen, ob ich nicht als Testimonial für Ihre App-basierte Zeitwaage Tickoprint für Smartphones herhalten möchte ?!

Na klar !
An so einem Test bin ich schon lange interessiert, wie eingefleischte Leser des Rolex Forum wissen.

Ans Werk !
Zuerst die Beschreibung des Herstellers lesen:


TICKOPRINT® ist eine leistungsfähige Zeitwaagen-Applikation zur Analyse des Gangverhaltens aller mechanischen Armbanduhren. Eine einfach zu bedienende graphische Oberfläche zeigt die klassische Darstellung des ablaufenden Papierstreifens, wie man es von dedizierten Zeitwaagen gewohnt ist. TICKOPRINT® bietet eine automatische Schlagzahlerkennung und prüft Ganggenauigkeit, Abfallfehler sowie die Amplitude (*) der zu prüfenden Uhr.
TICKOPRINT® unterstützt die folgenden Sprachen: Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Russisch, Polnish, Rumänisch, Finnisch, Japanisch und Türkisch.
TICKOPRINT® bietet einen eingebauten Benchmark-Test um sicherzustellen, dass das verwendete Mobilgerät ausreichend leistungsfähig zur Ausführung von TICKOPRINT® ist. Eine automatische Kalibrierung des verwendeten Mobilgerätes sorgt für präzise Testergebnisse. Hochentwickelte Routinen zur Signalerkennung, Sgnalaufbereitung und -auswertung stellen sicher, dass TICKOPRINT® schon mit dem mitgelieferten Headset Ihres Mobilgerätes arbeiten kann. Für bessere und präzisere Testergebnisse ist die Verwendung eines Körperschallmikrofons empfehlenswert, welches einfach aus wenigen kostengünstigen Bauteilen selbst hergestellt werden kann. Ein einfacher Piezo-Summer, ein Stück abgeschirmtes Kabel sowie ein Stecker passend zum Kopfhörer-Eingang Ihres Mobilgerätes - das ist schon alles. Die TICKOPRINT® Website bietet hierfür einen Teilevorschlag sowie eine Zusammenbauanleitung an.
TICKOPRINT® FREE zeigt die Gangabweichung der Uhr in Sekunden/24h an und stellt den Abfallfehler durch die Deckung resp. Ablage der beiden Messwertlinien dar. Eine "Tick"-Simulation mit frei einstellbaren Werten demonstriert dabei das "Papierstreifen"-Display und die Messkurve. Ein Audiotest stellt fest, ob das akustische Uhrensignal lesbar und auswertungsfähig ist. Alles Messungen können abgespeichert und ggf. später wiedergegeben werden, um die Testergebnisse zu untersuchen. Die Laufrichtung der "Papierstreifen"-Anzeige kann eingestellt werden (vertikal oder horizontal).
TICKOPRINT® PRO bietet zusätzlich die numerische Anzeige des Abfallfehlers in Millisekunden. Ein weitere hochentwicklete Signaldarstellung im sogenannten "Trace"-Modus erlaubt die detailgenaue und tiefe Auswertung eines jeden einzelnen Ticks in hoher Auflösung. Die Auflösung der X- und Y-Achsen der Messwertdarstellung ist einstellbar. Eine eingebaute Uhrendatenbank speichert alle relevanten Daten der zu prüfenden Uhr, und kann weitere Notizen wie Messergebnisse etc. speichern. Die Integrationszeit, über welche eine Harmonisierung des Messergebnisses vorgenommen wird ist frei einstellbar.


Okay, hört sich schon mal gut an, besonders vor dem Hintergrund, dass man die normale Version der Tickoprint - Zeitwaage kostenlos im Google Play Store erhalten kann.
Zum Vergleich: Eine China-Zeitwaage kostet ca. 200.- Euro, meine Profizeitwaage ca. 5000.- Euro.

Mir wurde die Profiversion von Tickoprint für mein Samsung S3 mit erweiterten Funktionen (Preis 10.- Euro) zum Testen zur Verfügung gestellt.

Alle Zeitwaagen für mechanische Uhren funktionieren nach dem gleichen Prinzip. 
Es wird das "Tickgeräusch" der Paletten auf der Eingangsseite und der Ausgangsseite des Ankers erfasst. Das heißt, es muss ein Mirkrofon her !
Im Fall der Tickoprint kann man das Mikor des Headset des Smartphone benutzen.
Laut Aussage des Entwicklers ist das die günstigste, aber auch schlechteste Methode (wegen der Nebengeräusche), das Ticken zu erfassen. 
Als Zubehör gibt es noch ein spezielle Mikrofon von TICKOMIC zum Preis von 299.- Euro.
Da mir kein spezielles Mikrofon zur Verfügung steht, werde ich mich mit dem Headset-Mikro begnügen, so wie es sehr wahrscheinlich auch die meisten Nutzer von Tickoprint machen.

Die Testreihe kann beginnen !

Zur Vereinfachung werden alle Uhren nur in der Lage "Zifferblatt oben" getestet.
Als Referenzen halten meine Profizeitwaagen Witschi Chronoscope S1, und meine 40 Jahre alte analoge Timomat her.

Man legt die Uhr auf das Mikro des Headset, startet die App und wartet den Überprüfungsintervall ab (voreingestellt sind 30 Sekunden). Sobald die App das Tickgeräusch empfängt, wird einem automatisch die Halbschwingunszahl des Unruheschwingsysthems, und der Abfallfehler durch Punktreihen angezeigt.  
Die wichtigste Messung, für einen Uhrenliebhaber, ist die des Gangwertes.
Am Anfang der Messung mit der App ergaben sich meistens grauenvolle Gangwerte (300 s/d Abweichung waren keine Seltenheit).  Davon sollte man sich nicht verwirren lassen. Nach eine Testzeit von 2 Minuten sind die ermittelten Gangwerte annähernd auf dem Niveau der Profizeitwaagen.
In der Pro-Version kann man die Werte abspeichern und ggf. später eine Vergleichsmessung durchführen.

Hier sind ein paar Beispiele der Gangmessungen:


Gangwerte Rolex GMT Master II

Tickoprint: +/- 0 s/d
Witschi Chronoscope S1: +2 s/d
Timomat: +2 s/d


Gangwerte Marcello C Pegasus

Tickoprint: +3 s/d
Witschi Chronoscope S1: +2 s/d
Timomat: +2 s/d


Gangwerte Mido Commander II

Tickoprint: +4 s/d
Witschi Chronoscope S1: +4 s/d
Timomat: +4 s/d


Gangwerte Zeno Basel Airplane Diver

Tickoprint: Tickgeräusch nicht erfassbar
Witschi Chronoscope S1: +3 s/d
Timomat: +3 s/d


Gangwerte Dugena Premium

Tickoprint: +10 s/d
Witschi Chronoscope S1: +8 s/d
Timomat: +8 s/d



Fazit:

Insgesamt wurden 15 Uhren getestet.

Die Tickoprint App ist eine nützliche Applikation für das Smartphone, um die Gangwerte einer tragbaren, mechanischen Uhr zu erfassen. 

Sehr gut ist, dass diese Zeitwaage transportabel, einfach zu nutzen und kostengünstig ist.
Ich kann jedem Uhrenliebhaber empfehlen diese App beim Kauf einer gebrauchten Uhr zu nutzen. 
Sollte man sich die Tickoprint Premium App zum Preis von 20.- Euro zulegen, hat man mit der Amplitudenmessung noch eine zusätzliche, nützliche Funktion. 
Mit der Amplitudenmessung kann man bewerten, ob die Unruhe der Uhr noch ausreichend schwingt, oder das Uhrwerk überholungsbedürftig ist.

Auf eine Sache muss ich hinweisen:
Bei Uhren mit sehr massiven Gehäuse, wie die ZENO Basel Airplane Diver, oder die Rolex Deepsea, ist das Erfassen der Tickgeräusche mit dem Headset nicht, oder kaum möglich !
Die Gehäuse dieser Uhren sind so massiv, dass die Tickgeräusche nur anhand des Headset-Mikro nicht, oder kaum, zu erfassen sind.

Begrüßen würde ich, wenn die Entwickler der App auf Ihrere Homepage Bilder und kurze Beschreibungen von guten und schlechten Gangbildern abbilden würden. Der nicht uhrentechnisch affine Nutzer der App könnte dann auf einen Blick vergleichen, ob das Gangbild der getesteten Uhr okay ist, oder nicht. Gerade beim Kauf einer gebrauchten Uhr würde das den ein oder anderen Uhrenliebhaber von einem Fehlkauf (Uhrwerk überholungsbedürftig und damit verbundene Reparaturkosten) abhalten.










Ich freue mich über jeden Kommentare!
Haut in die Tasten und stellt mir Fragen, oder hinterlasst Euer Feedback zu meinem Blog!

Unsere Uhrmacherwerkstatt in Würselen bei Aachen ist auf die Reparatur von vintage Rolex & neueren Rolex spezialisiert!





Kommentare:

Thomas Welz hat gesagt…

Funktioniert wie beschrieben. Getestet ebenfalls mit einem S3.
Eine alte Dugena Trophy lies sich dadurch auf + 2 sec. justieren,
Bei einer Wostok mit massiven Gehäuse bekam ich ein Signal nachdem ich den Boden entfernt habe. Auch diese Uhr lies sich dann prima einmessen und das alles mit der Lite Version. Mein Fazit: sehr empfehlenswert für den ambitionierten "Hobbyschrauber" ;-)
Thomas

Anonym hat gesagt…

Danke für diesen ausführlichen Test von TICKOPRINT, Herr Kriescher!

Das äußerst positive Urteil eines so ambitionierten und anerkannten UHrenexpertten freut uns natürlich sehr!

Thomas Krim
andiOS Softwarentwicklung UG